Ein Klassiker, wenn es um adventliches Backen geht, ist der Christstollen. Den Erzählungen nach gibt es ihn in unterschiedlicher Rezeptur bereits seit dem 15. Jahrhundert. Dabei ist nicht klar, ob er ursprünglich heidnischen oder christlichen Ursprungs gewesen ist.

Als Gericht in der Fastenzeit wurde er ohne Butter gebacken, unter Einfluss des Morgenlandes sollen die kulinarisch wertvollen Zutaten wie Rosinen, Mandeln, Zitronat und Orangeat hinzugekommen sein. Auch wenn Butter für den leckeren Stollengeschmack eigentlich nicht wegzudenken ist, so ist diese Zutat vielfach ein großer Luxus gewesen und musste oftmals durch andere Öle als Zutat ersetzt werden.

Zeitlich und regional muss man hierbei gar nicht weit zurückdenken. Vor dem Mauerfall 1989, zu DDR-Zeiten, mussten die Bürger auf der östlichen Grenzseite Deutschlands aufgrund häufigen Mangels kreativ beim Ersatz von Zutaten sein. Butter wurde vielfach ersetzt durch Rindertalg oder Gänseschmalz, Zitronat durch Kürbis oder grüne Tomaten, Rosinen durch gewürfeltes Backobst. Meine eigenen Verwandten aus der DDR, die in Nähe des Brockens lebten, haben uns in der Vergangenheit bei ihren Besuchen vielfach hiervon erzählt und haben sich bei uns im Westen gerne mit den so schwer erhältlichen Dingen eingedeckt.

Soweit so gut – das war nur ein kleiner Ausflug in die vielfältige Geschichte dieses Gebäcks. Kommen wir zur Praxis: Im Thema Backen bin ich so unbedarft, wie man es nur sein kann, möchte aber gerne hinzulernen. In meinem direkten Umfeld gibt es eine leidenschaftliche Hobbybäckerin, die zu meiner grenzenlosen Begeisterung ansehnliche und leckere Kuchen, Plätzchen und Brote zaubert. Quasi als kleinen Lehrgang durfte ich sie in ihrer Weihnachtsbackstube besuchen und die Entstehung von Christstollen nach ihrem Rezept und unter ihrer Anleitung fotografieren und dokumentieren.

Ausgestattet mit zwei frisch gebackenen Exemplaren bin ich an meinen heimischen Schreibtisch zurückgekehrt und gebe mir Mühe dabei, die neu gewonnenen Erkenntnisse verständlich weiterzugeben. Quasi, um hierzu die richtige Stimmung und Motivation zu haben, lässt es sich nicht vermeiden, dass ich zwischendurch mal etwas von den leckeren Christstollen nasche. 😉

Die Zutaten

Die nachfolgenden Zutaten ergeben 16 Christstollen, also genug für den Eigenbedarf und einige Weihnachtsgeschenke

Die Zutaten

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2290 g Mehl, 572 ml Milch, 274 g Hefe, 2 Teelöffel Salz, 5 Eigelb, 1145 g Butter, 345 g Zucker, die Schalen von 4 ungespritzten Zitronen oder ersatzweise 3 Päckchen natürliches Aroma

860 g Rosinen und/oder Korinthen, 5 Esslöffel Rum, 230 g Orangeat, 230 g Zitronat 575 g Mandelstifte

800 g Marzipanrohmasse

Für die Glasur nach dem Backen:

500 g flüssige Butter, 500 g Puderzucker

Die Zubereitung

Hier zunächst einige Vorbereitungsschritte:

  • Die Rosinen und/oder Korinthen am Vortag im Rum einlegen
  • Aus der Marzipanrohmasse jeweils 50 g-Stücke abwiegen und zu Würsten rollen
  • Mandelstifte, Zitronat und Orangeat, sowie die vorbereiteten Rosinen/Korinthen in eine großzügig bemessene Schüssel geben und mit den Händen vermengen
  • Das Mehl in eine großzügig bemessene Rührschüssel füllen
  • Die Eier aufschlagen und die Eigelbe vom Eiweiß trennen und in ein Gefäß geben
Milch in der Mikrowelle erwärmen
Hefe in der Milch auflösen

Los geht es mit den ersten Arbeitsschritten: Hierzu zunächst die Milch (ca. die Hälfte) in der Mikrowelle handwarm erwärmen. Achtung: Die Milch darf nicht zu heiß sein, weil sonst die Hefe Schaden nimmt. Die Hefe wird von Hand kleingebröckelt, in die warme Milch gegeben und mit einer Gabel mit einem Teelöffel Zucker hierin verrührt und aufgelöst.

Hefe-Milch-Mix zum Mehl geben
Den Vorteig etwa 15 Minuten gehen lassen

In der Mehlschüssel hebt man nun eine kleine Grube in der Mitte aus und gibt die gerade hergestellte Hefemilch hinein. Mit der Gabel deckt man im Anschluss die Flüssigkeit mit dem Mehl zu, hierzu das Mehl vom äußeren Schüsselrand nach innen heben. Der so entstandene Vorteig muss nun etwa 15 Minuten gehen und wird hierzu beiseite gestellt.

Butter, Milch und Zucker verrühren
Nach dem Verrühren in der Mikrowelle erwärmen

Währenddessen ist es nun an der Zeit für die weiteren Arbeitsschritte:

In der Mikrowelle die Butter erwärmen, bis sie eine verrührbare Konsistenz hat. Im Anschluss nach und nach die Eigelbe, den Zucker, das Salz und den Zitronenabrieb hinzugeben und mit einem Schneebesen alles gut miteinander verquirlen.

Eier, Zucker und Zitrone zufügen und verrühren
Das entstandene Gemisch zum Vorteig geben

Die Rührschüssel mit dem Vorteig wird nun in die Küchenmaschine eingespannt und der Rührprozess aktiviert. Bei kleiner Rührgeschwindigkeit werden jetzt die weiteren flüssigen Zutaten hinzugegeben. Alles sollte gut miteinander vermengt sein, bevor die festen Bestandteile dazukommen.

Den Würz-Mandel-Mix zugeben
In der Schüssel verbliebenes Mehl von Hand verkneten

In die entstandene Masse gibt man dann die festen Bestandteile aus Zitronat, Orangeat, Mandelstifte und Rosinen handweise nach und nach dazu, bis alles gut verrührt ist. Den jetzt entstandenen Teigklumpen aus der Rührschüssel heben und nochmals in Handarbeit verkneten.


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Überschüssiges Mehl, das die Maschine nicht erfassen konnte, wird auf diesem Weg noch in den Teigklumpen eingearbeitet. Die Substanz des Teigklumpens sollte letztendlich schön elastisch und geschmeidig sein. Zu lang gekneteter Teig wird trocken und brüchig. Hier ist also etwas Fingerspitzengefühl erforderlich.

Teig gehen lassen
Teig in Stücke schneiden und abwiegen

Zeit für eine Kaffepause für den emsigen Bäcker, denn der Teig muss nun erst noch einmal gehen. Hierzu die Masse mit einem Geschirrtuch abdecken und bei Zimmertemperatur etwa eine Stunde ruhen lassen. Als kleine optische Orientierung: Der Teig sollte seinen Umfang in dieser Zeit in etwa verdoppelt haben.

Abgewogene Teigstücke
Teigstücke plattrollen

Kaffeepause vorbei, der Teig ist fertig, jetzt geht es ans Portionieren und Abwiegen. Mit einem Messer portionsweise abschneiden und zu ca. 405 g Teigstücke abwiegen. Die so entstanden Teigteile werden nun mit der Hand etwas flach geformt und jeweils eine der vorbereiteten Marzipanrollen wird auf ein Ende der Rolle gegeben.

Die vorbereiteten Marzipanrollen in den Teig einrollen
Teig in Form bringen und gehen lassen

Mit beiden Händen wird die Marzipanrolle nun in den Teig eingerollt. Im Anschluss die offenen Enden des Teiges etwas zusammenrollen und das Ganze in eine brotartige Form drücken und kneten. Die so entstandenen Rohteig-Stollen werden nun auf ein Backblech gelegt, das zuvor mit Backpapier oder einer Dauer-Backfolie ausgelegt worden ist, und soll hier noch einmal etwa 45-60 Minuten ruhen.

Stollen im Backofen ausbacken
Stollen mit heisser Butter satt bestreichen

Im vorgeheizten Backofen sollen die Christstollen nun bei einer Backtemperatur von 175-180 Grad Umluft etwa 40 Minuten (abhängig vom verwendeten Backofen) ausbacken. In der Zwischenzeit können wir bereits die für die Glasur notwendige Butter erhitzen, denn für das anschließende Bestreichen müssen sowohl Butter und Christstollen heiß sein. Mit einem Pinsel werden die fertig gebackenen Stollen reichlich mit Butter bestrichen.

Stollen mit Puderzucker großzügig bestreuen
Christstollen als perfektes Weihnachtsgeschenk

Der Puderzucker wird in ein Küchensieb gegeben, um ein Verklumpen zu vermeiden. Hieraus wird er reichlich auf den zuvor mit heißer Butter bestrichenen Christstollen verteilt. Fertig ist ein köstliches Adventsgebäck.

Nachdem die Christstollen abgekühlt sind, können sie als schöne adventliche Aufmerksamkeit oder Weihnachtsgeschenke in etwas Folie eingepackt und verschenkt werden.

Übrigens: Kühl, trocken und dunkel gelagert hat ein Christstollen eine Haltbarkeit von bis zu drei Monaten.

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